Hinterbliebenenrente 2026: Witwenrente, Witwerrente und Waisenrente
Große oder kleine Witwenrente, Sterbevierteljahr, Einkommensanrechnung — und die Frist, die zwölf Monate nach dem Todesfall Geld kostet. Alle Regeln und Zahlen für 2026.
Von Anna Schwengle — Gründerin von MeinRentenStart ·
Das Wichtigste vorab
Die ersten drei Monate nach dem Todesfall — das Sterbevierteljahr — bekommst du die volle Rente des Verstorbenen, ohne Einkommensanrechnung. Danach greift die eigentliche Berechnung. Und: Wer später als zwölf Monate nach dem Sterbedatum beantragt, bekommt die Rente nur zwölf Monate rückwirkend.
Wenn ein Mensch stirbt, ist ein Rentenantrag das Letzte, woran man denken möchte. Trotzdem hängt daran Geld — und an einer Stelle sogar eine Frist, die man nicht sieht, bis sie vorbei ist.
Dieser Artikel erklärt, was es gibt, wie hoch es ist und was du wann tun musst.
Welche Hinterbliebenenrenten es gibt
| Rentenart | Höhe | Dauer |
|---|---|---|
| Große Witwen-/Witwerrente | 55 % der Rente des Verstorbenen (neues Recht) | unbefristet |
| Kleine Witwen-/Witwerrente | 25 % | befristet auf 24 Monate |
| Halbwaisenrente | 10 % | bis 18, bei Ausbildung bis 27 |
| Vollwaisenrente | 20 % | bis 18, bei Ausbildung bis 27 |
💡 Altes und neues Recht
Die 55 Prozent gelten nach neuem Recht. Nach altem Recht sind es 60 Prozent — es gilt, wenn die Ehe vor 2002 geschlossen wurde und ein Partner vor dem 2. Januar 1962 geboren ist. Wer unter altes Recht fällt, bekommt dauerhaft mehr; im Gegenzug gibt es dort keinen Zuschlag für Kindererziehung.
Große oder kleine Witwenrente — was entscheidet
Nicht du, sondern dein Alter und deine Situation zum Todeszeitpunkt.
Große Witwenrente bekommst du, wenn mindestens eines zutrifft:
- Du hast die Altersgrenze erreicht — bei Todesfällen im Jahr 2026: 46 Jahre und 6 Monate
- Du erziehst ein minderjähriges oder behindertes Kind
- Du bist selbst erwerbsgemindert
Trifft nichts davon zu, gibt es die kleine Witwenrente: 25 Prozent, befristet auf 24 Monate.
⚠️ Die Altersgrenze steigt weiter
2025 lag sie bei 46 Jahren und 4 Monaten, 2026 bei 46 Jahren und 6 Monaten — bis 2029 steigt sie auf 47 Jahre (§ 242a Abs. 5 SGB VI). Maßgeblich ist dein Alter zum Todeszeitpunkt des Partners, nicht zum Antragszeitpunkt. Wenige Monate entscheiden hier zwischen 24 Monaten und einem unbefristeten Anspruch.
Die Voraussetzungen
- Gültige Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft zum Todeszeitpunkt. Geschiedene haben keinen Anspruch — dort greift der Versorgungsausgleich.
- Der Verstorbene muss die Wartezeit von fünf Jahren erfüllt haben. Bei Unfalltod kann sie vorzeitig erfüllt sein.
- Du darfst nicht wieder geheiratet haben. Mit einer neuen Ehe entfällt der Anspruch.
⚠️ Die Versorgungsehe
Hat die Ehe weniger als ein Jahr gedauert, unterstellt das Gesetz eine sogenannte Versorgungsehe — geschlossen, um den Rentenanspruch zu sichern. Dann gibt es keine Witwenrente. Diese Vermutung ist widerlegbar: Wer nachweist, dass der Tod bei der Heirat nicht absehbar war — etwa bei einem Unfall oder einer plötzlichen Erkrankung —, bekommt die Rente. Das lohnt sich fast immer zu versuchen.
Das Sterbevierteljahr
In den ersten drei Kalendermonaten nach dem Sterbemonat bekommst du die volle Versichertenrente des Verstorbenen weiter — nicht 55 Prozent. Ohne Einkommensanrechnung.
Das ist als Übergangshilfe gedacht: Die laufenden Kosten bleiben zunächst, das Einkommen fällt sofort weg. Erst danach greift die eigentliche Berechnung — und dann kann der Betrag deutlich sinken. Wer im vierten Monat plant, plant richtig.
💡 Vorschuss über die Post
Für das Sterbevierteljahr kannst du einen Vorschuss beantragen — unbürokratisch über die Rentenservice-Stellen der Deutschen Post. Das Geld kommt dann deutlich schneller als über das reguläre Verfahren. Der Vorschuss wird später mit der Rente verrechnet.
Einkommensanrechnung: was von der Rente bleibt
Nach dem Sterbevierteljahr wird dein eigenes Einkommen angerechnet. Fast jede zweite Witwenrente wird dadurch gekürzt.
Die Rechnung nach § 97 SGB VI:
- Pauschales Netto ermitteln. Nicht dein tatsächliches Netto — pauschal 40 Prozent Abzug bei Arbeitseinkommen, 14 Prozent bei eigenen Renten.
- Freibetrag abziehen. Er beträgt das 26,4-Fache des aktuellen Rentenwerts. Seit 1. Juli 2026: 1.122,53 Euro (26,4 × 42,52 €). Je waisenrentenberechtigtem Kind kommen 238,11 Euro dazu.
- 40 Prozent des Überschusses werden abgezogen.
| Wert | bis 30.6.2026 | ab 1.7.2026 |
|---|---|---|
| Aktueller Rentenwert | 40,79 € | 42,52 € |
| Freibetrag | 1.076,86 € | 1.122,53 € |
| Zuschlag je Kind | 228,42 € | 238,11 € |
💡 Ein Rechenbeispiel
Dein pauschaliertes Nettoeinkommen liegt bei 1.500 Euro, du hast keine waisenrentenberechtigten Kinder. Über dem Freibetrag liegen 377,47 Euro (1.500 − 1.122,53). Davon 40 Prozent = 150,99 Euro — um diesen Betrag sinkt deine Witwenrente.
Maßgeblich ist dabei das Einkommen des Vorjahres: Für die Freibeträge ab Juli 2026 zählen die Einkünfte aus 2025. Weil der Freibetrag an den Rentenwert gekoppelt ist, steigt er jedes Jahr automatisch mit — die Kürzung sinkt also, wenn dein Einkommen gleich bleibt.
Was bleibt in deinem Fall?
Die Anrechnung hängt von Einkommensart, Kindern und Rentenrecht ab. MeinRentenStart geht deine Situation mit dir durch — in rund 15 Minuten.
Zum Rentenplan →Wenn der Partner jung gestorben ist
Dann greift die Zurechnungszeit: Die Rentenversicherung rechnet so, als hätte der Verstorbene bis zu einem bestimmten Alter weiter eingezahlt. Ohne diese Regel wären Renten nach frühem Tod winzig.
Für Renten mit Beginn ab 2026 endet die Zurechnungszeit mit 66 Jahren und 3 Monaten — einen Monat später als 2025. Bis 2031 steigt sie auf 67. Das ist eine der wenigen Änderungen, die Hinterbliebenen echtes Geld bringen.
Der Antrag — und die Frist
⚠️ Zwölf Monate
Anders als bei der Altersrente gilt hier: Wird der Antrag später als zwölf Monate nach dem Sterbedatum gestellt, wird die Rente nur zwölf Monate rückwirkend gezahlt. Alles davor ist verloren. Wer den Antrag aus verständlichen Gründen aufschiebt, sollte diese Frist trotzdem kennen.
Was du brauchst:
- Sterbeurkunde
- Heiratsurkunde oder Nachweis der Lebenspartnerschaft
- Rentenversicherungsnummern — deine und die des Verstorbenen
- Personalausweis, IBAN, Steuer-ID
- Nachweise über eigenes Einkommen
- Bei Waisenrente: Geburtsurkunden, ab 18 die Ausbildungs- oder Studienbescheinigung
Den Antrag kannst du bei der DRV, in einer Beratungsstelle oder über die Rentenservice-Stellen der Deutschen Post stellen. Der allgemeine Ablauf und die Einreichungswege stehen in Rentenantrag stellen. Wie lange die Bearbeitung dauert: Wie lange dauert ein Rentenantrag?
Wenn der Bescheid kommt, prüfe ihn — auch hier gilt die Widerspruchsfrist von einem Monat. Siehe Rentenbescheid verstehen und Rentenbescheid prüfen.
Merke
Zwei Zahlen entscheiden über sehr viel Geld: dein Alter zum Todeszeitpunkt — 46 Jahre und 6 Monate im Jahr 2026 — und die zwölf Monate bis zum Antrag. Beide kann man nicht nachverhandeln.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Witwenrente 2026?
Die große Witwenrente beträgt 55 Prozent der Rente des Verstorbenen — nach altem Recht 60 Prozent. Die kleine Witwenrente beträgt 25 Prozent und ist auf 24 Monate befristet. In den ersten drei Monaten nach dem Todesfall wird die volle Versichertenrente gezahlt.
Wie viel darf ich zur Witwenrente dazuverdienen?
Seit 1. Juli 2026 liegt der Freibetrag bei 1.122,53 Euro monatlich, je waisenrentenberechtigtem Kind kommen 238,11 Euro dazu. Vom pauschalierten Nettoeinkommen darüber werden 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Im Sterbevierteljahr findet keine Anrechnung statt.
Bis wann muss ich die Hinterbliebenenrente beantragen?
Möglichst innerhalb von zwölf Monaten nach dem Sterbedatum. Wird später beantragt, zahlt die Rentenversicherung höchstens zwölf Monate rückwirkend — die Zeit davor ist verloren. Für das Sterbevierteljahr kannst du über die Rentenservice-Stellen der Deutschen Post einen Vorschuss beantragen.
Bekomme ich Witwenrente, wenn wir nur kurz verheiratet waren?
Bei einer Ehedauer unter einem Jahr geht das Gesetz von einer Versorgungsehe aus, und der Anspruch entfällt. Diese Vermutung lässt sich aber widerlegen — etwa wenn der Tod bei der Heirat nicht absehbar war, bei einem Unfall oder einer plötzlichen Erkrankung. Ein Antrag lohnt sich in diesen Fällen fast immer.
Was passiert, wenn ich wieder heirate?
Der Anspruch auf die Witwen- oder Witwerrente entfällt mit der neuen Eheschließung. In vielen Fällen gibt es dafür eine einmalige Rentenabfindung. Eine Waisenrente bleibt von einer Wiederheirat des Elternteils unberührt.
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Quellen
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Ansprüche und Anrechnungen hängen stark vom Einzelfall ab. Stand: Juli 2026.