Rente und Minijob 2026: Was erlaubt ist und was sich lohnt
Minijob und Rente gleichzeitig geht — gekürzt wird seit 2023 nichts mehr. Die interessanten Fragen sind andere: Befreiung von der Rentenversicherungspflicht, und ob ein Midijob nicht klüger wäre.
Von Anna Schwengle — Gründerin von MeinRentenStart ·
Das Wichtigste zuerst
Minijob und Rente gleichzeitig ist möglich, und gekürzt wird nichts — seit 1. Januar 2023 gibt es bei Altersrenten keine Hinzuverdienstgrenzen mehr. Das gilt für vorgezogene Renten genauso wie für die Regelaltersrente. Die Minijob-Grenze liegt 2026 bei 603 Euro im Monat.
Die Frage „darf ich als Rentner einen Minijob machen" ist seit 2023 beantwortet: ja, ohne Abzüge. Die interessanten Fragen liegen woanders — bei der Rentenversicherungspflicht und bei der Frage, ob der Minijob überhaupt die beste Form ist.
Die Minijob-Grenze 2026: 603 Euro
Die Grenze ist seit 2022 dynamisch — sie hängt am Mindestlohn und entspricht dem, was zehn Wochenstunden zum Mindestlohn einbringen.
| 2025 | 2026 | |
|---|---|---|
| Mindestlohn | 12,82 € | 13,90 € |
| Minijob-Grenze / Monat | 556 € | 603 € |
| Minijob-Grenze / Jahr | 6.672 € | 7.236 € |
| Midijob (Übergangsbereich) | 556,01–2.000 € | 603,01–2.000 € |
💡 Sie steigt schon wieder
Zum 1. Januar 2027 steigt der Mindestlohn auf 14,60 Euro — die Minijob-Grenze zieht automatisch mit. Wer einen Minijob am oberen Rand hat, muss die Grenze also jedes Jahr neu prüfen. Bei 603 Euro und 13,90 Euro Stundenlohn sind rund 43 Stunden im Monat drin.
Rentenversicherungspflicht: der Punkt, den viele übersehen
Ein Minijob ist nicht automatisch abgabenfrei. In der Rentenversicherung besteht grundsätzlich Versicherungspflicht — auch für Rentner.
- Arbeitgeber: 15 % Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung
- Du: Aufstockungsbeitrag von 3,6 %
Zusammen ergibt das den vollen Beitragssatz von 18,6 %. Bei 603 Euro sind dein Anteil rund 22 Euro im Monat.
Du kannst dich davon befreien lassen — schriftlich beim Arbeitgeber, kein DRV-Formular nötig. Der Arbeitgeberanteil von 15 % bleibt trotzdem fällig. Die Befreiung gilt für das jeweilige Beschäftigungsverhältnis, ist bindend und lässt sich nicht rückwirkend ändern.
💡 Lohnt sich die Befreiung?
Es kommt darauf an, wo du stehst. Vor der Regelaltersgrenze bringen die Beiträge zusätzliche Entgeltpunkte — bei einem längeren Minijob summiert sich das. Nach der Regelaltersgrenze und bei bereits laufender Vollrente ist der Effekt klein, weil deine Rente bereits berechnet ist; die Erhöhung kommt dann jeweils zum 1. Juli des Folgejahres. Wer nur kurz oder wenig arbeitet, spart sich die 22 Euro sinnvollerweise.
Was in welcher Situation gilt
| Situation | Rente gekürzt? | RV-Pflicht | Aktivrente nutzbar? |
|---|---|---|---|
| Vorgezogene Rente (z. B. mit 63) | nein, seit 2023 | ja, Befreiung möglich | nein — erst ab Regelaltersgrenze |
| Teilrente | nein | ja, Befreiung möglich | nein |
| Vollrente ab Regelaltersgrenze | nein | ja, Befreiung möglich | ja — bis 2.000 € / Monat |
| Erwerbsminderungsrente | möglich! | ja | nein |
⚠️ Bei der Erwerbsminderungsrente gilt das alles nicht
Der Wegfall der Hinzuverdienstgrenzen betrifft Altersrenten. Bei Erwerbsminderungsrenten gelten weiterhin Grenzen — wer sie überschreitet, dem wird die Rente gekürzt oder gestrichen. Auch ein Minijob kann dort relevant sein. Kläre die für dich geltende Grenze vorher mit deinem Rentenversicherungsträger.
Was passt zu deiner Situation?
Ob Minijob, Midijob oder Teilrente günstiger ist, hängt an Rentenart, Steuersituation und Krankenversicherung. MeinRentenStart geht es mit dir durch — in rund 15 Minuten.
Zum Rentenplan →Minijob oder Midijob — die eigentliche Frage
Ab der Regelaltersgrenze wird es interessant. Denn dann greift die Aktivrente: bis zu 2.000 Euro Arbeitslohn im Monat steuerfrei.
Der klassische Minijob wird meist pauschal versteuert — der Arbeitgeber führt 2 % Pauschsteuer ab, der Lohn taucht in deiner Steuererklärung gar nicht auf. Das ist bequem, aber es heißt auch: Der Aktivrente-Freibetrag läuft hier ins Leere, weil da nichts ist, was er freistellen könnte.
Wer ab der Regelaltersgrenze arbeitet und den Freibetrag ausnutzen will, fährt mit einem Midijob (603,01–2.000 €) oder einer regulären Beschäftigung oft besser: voller Sozialversicherungsschutz, reduzierte Arbeitnehmerbeiträge, und der Arbeitslohn bleibt bis 2.000 Euro steuerfrei.
💡 Midijob: volle Rentenansprüche bei reduzierten Beiträgen
Im Übergangsbereich zahlst du verringerte Arbeitnehmerbeiträge — deine Rentenansprüche werden aber auf Basis des vollen Verdienstes berechnet. Der reduzierte Beitrag mindert sie nicht. Für Rentner, die ohnehin weiterarbeiten, ist das die unterschätzteste Konstruktion im ganzen System.
Entscheidungshilfe
Minijob (bis 603 €) passt, wenn:
- du überschaubar arbeiten willst
- du vor der Regelaltersgrenze stehst — die Aktivrente greift dort ohnehin nicht
- dir Einfachheit wichtiger ist als Optimierung
Midijob oder reguläre Stelle passt, wenn:
- du die Regelaltersgrenze erreicht hast und die Aktivrente nutzen willst
- du mehr als 603 Euro verdienen möchtest
- du zusätzliche Entgeltpunkte aufbauen willst
Den vollständigen Überblick über Rente und Arbeit gibt Rente und Arbeit. Welche Rentenart in deinem Fall infrage kommt: Altersrente: alle Arten.
Merke
Die Frage ist nicht mehr, ob du dazuverdienen darfst — das darfst du seit 2023 unbegrenzt. Die Frage ist, in welcher Form. Und ab der Regelaltersgrenze ist der Minijob dafür selten die beste Antwort.
Häufige Fragen
Wie viel darf ich 2026 im Minijob verdienen?
603 Euro im Monat, das sind 7.236 Euro im Jahr. Die Grenze ist an den Mindestlohn gekoppelt, der 2026 bei 13,90 Euro liegt — daraus ergeben sich rund 43 Arbeitsstunden im Monat. Zum 1. Januar 2027 steigt der Mindestlohn auf 14,60 Euro, die Minijob-Grenze zieht dann automatisch mit.
Wird meine Rente durch einen Minijob gekürzt?
Bei Altersrenten nicht. Seit 1. Januar 2023 gibt es dort keine Hinzuverdienstgrenzen mehr — weder bei vorgezogenen Renten noch bei der Regelaltersrente. Anders bei Erwerbsminderungsrenten: Dort bestehen weiterhin Grenzen, und eine Überschreitung kann die Rente kürzen.
Muss ich im Minijob Rentenversicherungsbeiträge zahlen?
Grundsätzlich ja — der Arbeitgeber zahlt 15 Prozent pauschal, du stockst um 3,6 Prozent auf. Bei 603 Euro sind das rund 22 Euro im Monat. Du kannst dich auf Antrag beim Arbeitgeber befreien lassen; der Arbeitgeberanteil bleibt dann trotzdem fällig. Die Entscheidung gilt für das gesamte Beschäftigungsverhältnis.
Kann ich Minijob und Aktivrente kombinieren?
Nur eingeschränkt sinnvoll. Der klassische Minijob wird meist pauschal mit 2 Prozent versteuert und taucht in deiner Steuererklärung nicht auf — der Aktivrente-Freibetrag läuft dann ins Leere. Wer ab der Regelaltersgrenze arbeitet und den Freibetrag nutzen möchte, fährt mit einem Midijob oder einer regulären Beschäftigung meist besser.
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Quellen
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Sozialversicherungsberatung. Stand: Juli 2026.